Thomas Bernhard ist einer der größten österreichischen Schriftsteller. Bei St. Veit erinnert ein Wanderweg an den Schreiber mit dem Ruf eines alten Grantlers.
Von alt kann allerdings keine Rede sein, verstarb der 1931 im niederländischen Heerlen geborene Autor zahlreicher Theaterstücke, Romane und Kurzgeschichten doch 1989 drei Tage nach seinen achtundfünfzigsten Geburtstag in Gmunden an einer Lungeninfektion. Bereits 1949 bis 1951 hielt er sich als junger Mann zur Behandlung seiner Tuberkulose in einer Lungenheilanstalt in St. Veit im Pongau auf, die heute Teil des Thomas-Berhard-Wanderweges ist. Dort lernte der angehende Wortkünstler seinen 35 Jahre älteren „Lebensmenschen“, wie er es ausdrückte, Hedwig Stavianicek kennen, die mit ihm zahlreiche Reisen unternahm, ihm die 1950 verstorbene Mutter ersetzte und ihm gesellschaftliche Kontakte verschaffte. Nach seinem Tod wurde der Körper Bernhards in neben der fünf Jahre zuvor verstorbenen Stavianicek beigesetzt.
Kein Grantler?
Dass Thomas Bernhard nun wirklich ein solch missmutiger Zeitgenosse gewesen ist, wie es viele auf Grund seiner bevorzugten Protagonisten und vor allem Erzähler annehmen, ist zu bezweifeln. Ein einfacher Mensch war er sicherlich nicht, trat er doch gerne in der Öffentlichkeit als streitbare Persönlichkeit auf, die vor allem mit dem Land Österreich hart ins Gericht ging, womit er sich den Ruf des Vaterlandsverräters einhandelte. Und tatsächlich ist sein öffentliches Wirken nicht arm an Tiraden gegen das Land, in dem er lebte; und auch in seinen Werken gebrauchte er gerne Wendungen wie jene vom „katholisch-nationalsozialistischen Todesboden“ (in: Die Ursache. Eine Andeutung). Die letzte große öffentliche Erregung, die der Schriftsteller hervorrief, war der Paukenschlag seines Ablebens: er verfügte in seinem Testament ein Aufführungs- und Publikationsverbot seiner Werke in Österreich. Eine Verfügung allerdings, die durch Peter Fabjan, den Bruder des Verstorbenen, der über die Rechte an Bernhards Nachlass verfügt, aufgeweicht wurde. Andererseits zeigte sich der Autor zu Lebzeiten auch als humorvoller Gesprächspartner und lebensfroher Mensch – ein Umstand, der daran erinnert, wie unbedingt man zwischen Autor und Erzähler trennen muss.
